Dienstag, 18. April 2017

Wenn es gut läuft, kommt das Leben dazwischen

Hier war es in letzter Zeit ganz schön still. Das liegt daran, dass ich weder die Möglichkeit hatte irgendetwas zu schreiben noch den Kopf dafür.

Ich war am 07. April in der Klinik. Nichts Wildes, ich sollte eigentlich nur meine Infusion, die ich alle vier Wochen kriege, bekommen.

Wie immer fragte man mich, wie es mir ginge, ob irgendein neues Symptom dazugekommen sei,usw.

Ich hatte den Tag davor Schmerzen, wahrhaft mörderische Schmerzen. Von Kopf, ins Ohr und bis runter in den Unterkiefer bis zum Kinn. Schrecklich, diese Schmerzen habe ich so noch niemals erlebt. Ich hatte die über Stunden. Ich konnte während der Schmerzattacken nicht liegen, nicht sitzen, vielmehr hatte ich das Bedürfnis mich zu bewegen. So bin ich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch`s Haus gelaufen. Ich hatte natürlich ein Schmerzmittel genommen, das aber überhaupt keine Wirkung gezeigt hat. Nach einigen Stunden waren die Schmerzen von jetzt auf gleich weg. Genauso schnell, wie sie gekommen waren. Mir war es recht.

Das hatte ich der Ärztin erzählt und auch, dass ich die Schmerzen, nicht ganz so schlimm wie am Donnerstag,vor längerer Zeit schon mal hatte, allerdings vermutet habe, dass die von den Zähnen kommen und auch beim Zahnarzt, der allerdings nichts finden konnte, war.

Sofort meinte die Ärztin, dass sich das alles sehr stark nach Trigenimusneuralgie anhören würde und ob ich wüsste was das sei. Natürlich weiß ich was das ist..... Es gibt zwei mögliche Symptome bei der Multiplen Sklerose vor denen ich immer Angst hatte. Platz eins belegt das Symptom des Erblindens und Platz zwei die Trigenimusneuralgie....

Okay, was jetzt? Meine Neurologin sagte, dass sie mir ein Rezept für Tabletten ausstellen würde, die eigentlich auf lange Sicht helfen sollten. Okay, weiter im Text, habe meine Infusion in den Arm und das Rezept, sowie einige ausgedruckte Seiten über Risiken und Nebenwirkungen des Medikaments in die Hand bekommen.

Jetzt nur noch warten, bis die Infusion durch ist und dann schnell nach Hause! Ich hatte mich so sehr gefreut heim zu kommen, denn mein Sohn, der auf Projektfahrt in England war, sollte an diesem Freitag zurückkommen!

Als ich endlich fertig war, rief mich die Neurologin zu sich und fragte mich, wie schnell ich ins KH einziehen könnte - heute! Ich war total vor den Kopf gestoßen, als mir die Ärztin sagte, dass das wohl jetzt ein Schub sei! Bitte was? Mein letzter Schub lag gute 5 Jahre zurück und mir geht es doch sonst gut und die Schmerzen sind auch weg! Man sagte mir, dass es wichtig sei nun Cortison-Ifusionen zu bekommen, weil der Herd aller Wahrscheinlichkeit nach im Hirnstamm lag und das bei dem MRT, das ich erst hatte, nicht zu sehen sei, weil dafür ein viel feineres MRT nötig gewesen wäre.Es würde auch ausreichen, wenn der Herd nur Stecknadelgroß sei.

Lange Rede-kurzer Sinn: ich bin kurz nach Hause, hab meine Tasche gepackt und ab ins Krankenhaus. Cortison, nicht schlafen können, selbst bemitleiden, Kind vermissen, - ich will nach Hause!

Ich wurde zusätzlich auf Tabletten eingestellt und die Schmerzen kamen nicht wieder. Nach drei Tagen sagte man mir, dass ich nach Hause gehen dürfe und die Dosis der Tabletten würde erhöht werden. Ich wäre nicht davor geschützt, dass die Schmerzen nicht wiederkommen würden, diese würden aber durch die Tabletten erträglich sein. Ich habe sofort daran denken müssen, als ich damals die Diagnose bekam. Da sagte man mir, dass die Multiple Sklerose niemals Schmerzen machen würde. Verarscht, hm?

Zu Hause dann die Tabletten, höhere Dosis, habe mich gefühlt, als sei ich besoffen. Konnte nicht deutlich reden, nicht klar sehen, an lesen war gar nicht zu denken. Ich will mein Leben wieder, Mensch! Natürlich will ich die Schmerzen nie, nie,nie mehr wieder haben aber nun für den Rest meines Lebens wie ne Schlaftablette durch die Gegend wandeln will ich auch nicht. Bitte nicht das! Auto fahren, einkaufen gehen, Unabhängigkeit, soll das nun alles vorbei sein? Nein, Stop, nicht mit mir!

Kurzerhand habe ich die Dosis der Tabletten nun selbstständig reduziert. Ob das nun gut oder schlecht ist, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich nun wieder am Leben teilnehmen kann. Bei meinem nächsten Besuch in der Klinik muss ich mit den Neuros reden. Entweder darf ich die Dosis beibehalten oder es gibt eben wieder einen Medikamentenmarathon durch die verschiedensten Präparate bis das Richtige gefunden ist.

Die Tabletten machen mich, auch in reduzierter Dosis, müde, sodass ich mich nachmittags eben mal für ne Stunde hinlegen muss. Damit komme ich aber klar und das ist auch möglich.

Tja, nun alles wieder auf Null. Alles wieder irgendwie neu für mich, meinen Alltag muss ich nun so umstellen, dass ich klar komme. Das schaffe ich auch, ich brauche dafür nur etwas Zeit!

Lesen geht wieder und auch Rezensionen schreiben dürfte kein Problem sein. Eigentlich alles wieder normal und eigentlich auch nicht.

Die Angst, dass der Schmerz wiederkommen könnte begleitet mich nun täglich aber ich glaube, dass ich das bald ablegen kann. Auch das braucht etwas Zeit. Bis dahin werde ich so vor mich hinwurschteln, bis ich wieder das Rezept für mich gefunden habe, wie es geht. Bis ich den Dreh wieder raus habe.

Fakt ist, dass die Trigeminusneuralgie nun die Fatigue als mein persönlich schlimmstes Symptom ablöst. Aber wer sagt hundertprozentig, dass die Schmerzen wiederkommen? Niemand. Ich glaube einfach dran, dass diese Episode vorbei ist und der Glaube versetzt Berge. Oft. Ich hoffe auch dieses Mal!




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